Gewerbe

Was ist unter einem „Gewerbe” zu verstehen?


Bis zum 30.04.2011 war die Ein-Mann-Firma unter dem Begriff „Gewerbe“ die bekannteste und einfachste Form der legalen Arbeit in Deutschland. Um bei einem deutschen Arbeitgeber angestellt werden zu können, war bisher eine Arbeitserlaubnis ausschlaggebend.

Jedoch ist das alleinige Gründen einer Firma nicht alles – man muss eine Großzahl von diversen Regelungen und Formalitäten beachten. So muss der Arbeitnehmer beispielsweise für seine Arbeit Rechnungen ausstellen. Bei einem eingetragenem Wohnsitz in Deutschland besteht des Weiteren die Krankenversicherungspflicht. Die Beitragszahlungen an die Krankenkasse sind gänzlich seitens des Arbeitnehmers zu entrichten (laut der Krankenversicherungspflicht seit 2009 in Deutschland).

Seit dem 01.05.2011 ist der deutsche Arbeitgeber nun nicht mehr dazu verpflichtet bei der zuständigen Arbeitsagentur die Arbeitserlaubnis für u.a. einen polnischen Arbeitnehmer zu beantragen.

Eine gewerbliche Anstellung wird oft dazu missbraucht, um rechtlich geltende Arbeitsgesetze zu umgehen. Darüber hinaus werden keine Beiträge an die Sozialversicherung des Arbeitnehmers entrichtet.


Was bedeutet es, auf dem Gewerbeprinzip angestellt zu sein?


Die Gründung eines Gewerbes ist eine der Arbeitsformen, die vielerlei Konsequenzen nicht nur rechtlicher Natur nach sich zieht. Im Fall der Nichteinhaltung der Regelungen und Nichterfüllung der arbeitsrechtlichen Bedingungen die unter ein Gewerbe fallen, kann gewerbliche Arbeit unter Umständen schnell der Scheinselbständigkeit ähneln (mehr unter ACHTUNG!), d.h. dass die Gewerbearbeit wie illegale Schwarzarbeit aussieht.

Gewerblich angestellt zu sein bedeutet, dass der Arbeitnehmer keinen Arbeitsvertrag hat. Er nimmt lediglich Aufträge in Deutschland an, deren Ausführung er in Form einer ausgestellten Rechnung bescheinigt.

Der Arbeitgeber ist darüber hinaus nicht dazu verpflichtet Beiträge in die Rentenversicherung zu einzuzahlen, d.h. dass die verrichtete Arbeitszeit NICHT als für die Rente relevanten Arbeitsjahre angerechnet wird.

Zeitarbeitsfirmen oder Privatpersonen die gewerblich anstellen erhalten dadurch zahlreiche Vorteile, denn:

1. Sie haben keinen Anspruch auf Urlaub (Urlaubsgeld entfällt).
2. Sie haben keinen Anspruch auf Krankengeld.
3. Es werden keine Beiträge an die Sozialversicherung gezahlt (entspricht dem polnisches ZUS).
4. Es gibt keine Unfallversicherung.
5. Sie selbst tragen die volle Verantwortung für durch Sie entstandene Schäden am Arbeitsplatz.
6. Sie haben kein Recht auf gerichtliche Vertretung vor dem Arbeitsgericht, die in Deutschland in der Regel für Sie kostenlos ist.
7. Sie haben keine geregelte Arbeitszeit.

Info:    

Das deutsche Versicherungssystem ist nicht in der Lage, die Gesamtkosten für die optimale Seniorenpflege allein aus Beitragszahlungen abzudecken. Aus diesem Grund „blüht“ die Schwarzarbeit im Pflegebereich. Schwarzarbeit ist eine Straftat, die laut § 404 SGB III mit hohem Strafmaß in Form von hohen Geldbußen verfolgt wird.